Kumihimo

Die Gewinnung und Verarbeitung von Seide hat in Japan eine lange Tradition. Neben der Herstellung wertvoller Kimonos werden aus ihr auch Kordeln und Bänder geflochten. Die Kunst, diese Seidenbänder zu flechten, nennt sich Kumihimo.
Die Bänder dienen dazu Kleidungsstücke und Gegenstände zusammen zu halten bzw. zu befestigen. Bis heute sind sie im Gebrauch, um den Obi des Kimonos wie mit einem Gürtel zu zieren.
Sammler und Liebhaber der japanischen Kultur treffen noch an vielen anderen Stellen auf diese seidenen Bänder. Sie wurden benutzt als Befestigungsband für eine Inro (Bild rechts), fanden Verwendung in Rüstungen der Feldherren und Samurai, sind ein muss für die Griffwicklung (Tsuka-maki) des jap. Schwertes und unersätzlich als Sageo zum befestigen der Schwertscheide am Gürtel.

Inro

Unvorstellbare Mengen dieser Bänder wurden in Handarbeit hergestellt. So benötigte allein die Herstellung einer einzigen Rüstung an die 300 m Band.
Als in Japan das Tragen von Waffen verboten wurde, ging der Bedarf an Kumihimo-Bändern zurück. Jetzt entdeckten Frauen diese Bänder als Schmuck für ihre Kimonos. Das hatte zur Folge das die Bänder immer aufwendiger in Form und Farbe wurden.

Das Material für meine Bänder kommt zum größten Teil aus der Werkstatt der in Ogaki lebenden Kumihimo-Meisterin, Sensai Hoko Tokoro. Die Seide stammt aus ihrer eigenen Seidenraupenzucht und wird in Ihrer Schule mit Pflanzenfarben aus eigenem Anbau eingefärbt.
Im traditionellen Japan wird verschiedenen Farben eine eigene Bedeutung zugeordnet.

Hellgelb-

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Mond

Orange

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Feuer

Dunkelblau

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Wasser

Lindgrün

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Bäume

Goldbraun

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Erde

Dunkelviolett

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Adel

Weiß

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Sonne


Tachi_Sageo

Ähnlich wie das Purpur in Europa war das Violett in Japan lange Zeit dem Adel vorbehalten und durfte nicht vom Volk getragen werden.
Ebenso durfte nur der Adel bestimmte Bänder wie das Kara-Gumi, Kiku-Kara-Gumi oder Kawari-Kiku-Kara-Gumi tragen.

Für die Herstellung von Kumihimo-Bändern werden unterschiedliche Flechtgeräte genutzt, neben den Marudai- und Kakudai-Hockern der Ayatakedai und der Takadai.

Meine Bänder werden auf Marudai- und Kakudai-Hockern hergestellt, wobei der Kakudai hauptsächlich für sehr feste, meist runde Bänder Verwendung findet. Im einzelnen unterscheiden sich die Bänder in der Anzahl der verwendeten Spulen. Beim Marudai variieren diese für Normalsterbliche zwischen 4 und 32, doch gibt es japanische Meister die mit bis zu 72 Spulen arbeiten.
Das endgültige Aussehen eines Bandes hängt ausserdem von der Flechttechnik und der Farbverteilung der einzelnen Stränge ab.

KumihimoUnterricht

Seit über 30 Jahren besucht die Kumihimo-Meisterin Hoko Tokoro jährlich das Museum für Ostasiatische Kunst in Köln und gibt dort Unterricht in Kumihimo-Do, dem ich seit 1987 folge.
Durch das Kurssystem fehlt natürlich der durchgehende Unterricht und es geht mit dem Lernen nicht so schnell voran wie ich es mir wünsche. Um so erfreulicher ist es für mich, dass mir in der Zwischenzeit ein mittlerer Schülergrad zugesprochen wurde.

Urkunde

Wer ein japanisches Flechtgerät für Kumihimo bauen möchte, der kann sich hier einen Bauplan für einen Marudai oder einen Kakudai ausdrucken.
 

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