Mitake

Diese Seite zeigt die Herstellung eines Mitake-Bandes. Es würde mich freuen, dadurch bei möglichst vielen Lesern die Lust zu wecken, sich selbst in Kumihimo zu versuchen.
Es ist jedoch ausdrücklich keine Arbeitsanleitung. Warum ich extra darauf hinweise? Aus japanischer Sicht ist es für einen Schüler meiner Klasse nicht angebracht, so etwas zu tun.
Trotzdem möchte ich hier einen kleinen Einblick in die Kunst des Kumihimo geben und einige Arbeitsschritte beleuchten. Tun wir also am besten so, als wäre der folgende Text nicht von mir.

Beim Kumihimo kommen unterschiedliche Flechtgeräte zum Einsatz, in diesem Fall handelt es sich um einen Marudai. Maru bedeutet Rund und Dai ist im japanischen das Zählwort für Maschinen. Also, das runde Gerät.
Unabhängig vom Gerät wird das Flechtmaterial auf bleibeschwerten Spulen, den sogenannten Tama, aufgewickelt.
Das Gewicht meiner Spulen bewegt sich zwischen 85 und 270 g.
 

Tamas

Ein Mitake, wie im Katalog gezeigt, wird mit 16 Spulen hergestellt. Das hier gezeigte Mitake besteht aus 24 Seidensträngen mit den entsprechenden Spulen. Diese Variation der Spulenzahl ist bei vielen Bändern möglich, jedoch muss dabei die geänderte Musterbildung beachtet werden. Zum Glück ist das bei einem einfarbigen Band ohne Bedeutung.
Jeder der 24 Stränge ist 2,7 m lang und besteht aus ca. 28 dreifach gezwirnten Seidenfäden. Das Gewicht der verarbeiteten Seide liegt bei 40 g. Hieraus ergibt sich ein fertiges Band von ungefähr 1,7 m Länge.
 

Marudai_Start

Alle Stränge werden an einem Ende zusammengeknotet und am Marudai fixiert.
Ebensowenig wie ein Weber seine Kette direkt an den Warenbaum knotet, wird die Seide direkt auf die Tamas gespult. Vielmehr dient eine Schlaufe dazu, die Seide möglichst kurz vor ihrem Ende anzuknoten und mit ihrem anderen Ende an der Tama zu befestigen.
Das Aufspulen kann beginnen.
 

Marudai_Aufspulen1

Ist der Strang weit genug aufgewickelt, so wird die Spule, wie im Bild zu sehen, durch einen halben Schlag geblockt (alle Segler mögen mir verzeihen wenn es sich um einen anderen Knoten handelt). Sie kann sich nun nicht mehr selbstständig abwickeln.
Sind einige Spulen auf diese Art vorbereitet, so ist der gemeinsame Knotenpunkt aller Stränge von oben durch die Bohrung im Spiegel (obere Scheibe des Marudai) zu ziehen und mit Hilfe eines querliegenden Holzstabes festzusetzen. An diesem Ende wird auch das zum Arbeiten notwendige Gegengewicht befestigt.
 

Marudai_Aufspulen3
Gegengewicht

Das benötigte Gegengewicht ist hauptsächlich vom Spulengewicht abhängig. In erster Näherung gilt:
Spulengewicht x 0,5 = Gegengewicht
Bei 24 Spulen von 140 g beträgt das Gegengewicht somit 1700 g. Das Gewicht selbst, in Form von Blei- oder Eisenscheiben, wird in einem Stoffbeutel untergebracht und mittels Schlaufe und Haken am Band eingehängt.

Die vorbereitenden Arbeiten sind hiermit abgeschlossen und das Flechten kann beginnen.
 

Um beim Flechten den Überblick zu behalten, macht es Sinn die Stränge in Gruppen einzuteilen.
Die 24 Stränge sind in 8 Gruppen mit jeweils 3 Strängen aufgeteilt. Gleichzeitig wird diese Aufteilung genutzt um den Flechtvorgang zu beschreiben. In meinem Fall zähle ich die Gruppen rechts oben beginnend im Uhrzeigersinn von 1 bis 4 durch. Da man zwei Hände hat mit denen gleichzeitig gearbeitet wird, denkt man sich eine Trennlinie von oben nach und beschreibt nur den Vorgang für eine Seite. Die linke Seite muss als Spiegelung der rechten Seite gesehen werden.
 

Mitake_Grundstellung

Beim folgenden Flechtvorgang werden immer nur die Stränge gegriffen und niemals die Spulen selbst.

Mit der Zeit wird jeder Flechter bei den einzelnen Bewegungen seinen eigenen Rytmus finden.
Ich selbst schätze den meditativen Anteil der Arbeit sehr. So hilft er mir vom Alltag abzuschalten und die Qualität des Bandes zeigt mir mein eigenes Wohlbefinden.
 

Marudai
Mitake_Move1 Mitake_Move2 Mitake_Move3 Mitake_Move4

Die Darstellung der Arbeitsschritte erfolgt aus dem Blickwinkel des Flechters. Der rote Punkt kennzeichnet die rechte Hand, während der gelbe Punkt die Bewegung der linken Hand verdeutlichen soll. In den Bildern wird der Zustand nach der Flechtbewegung gezeigt.
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Im ersten Schritt wird der obere Strang der zweiten Gruppe aufgenommen und über kreuz unten zwischen den 4. Gruppen abgelegt.
 - Im zweiten Schritt wird der äußere Strang der vierten Gruppe aufgenommen und unter der zweiten Gruppe angelegt.
 - Im dritten Schritt wird der untere Strang der dritten Gruppe aufgenommen und über kreuz oben zwischen den 1. Gruppen abgelegt.
 - Im vierten Schritt wird der äußere Strang der ersten Gruppe aufgenommen und über der dritten Gruppe abgelegt.
 

Nach jedem Durchgang muss zuerst die Grundstellung wieder hergestellt werden um Platz zum Ablegen der Stränge beim nächsten Durchgang zu schaffen.
Für 5 cm Band sind in etwa 30 dieser Durchgänge erforderlich. Auf die gesamte Länge ergeben sich so an die 1000 Durchgänge.
Ist das Material soweit verarbeitet das ein weiterarbeiten nicht mehr möglich ist, so wird das Band vom Marudai abgenommen.
 

Marudai_Ende

Das fertige Bande wird abgebunden und die losen Fadenenden auf gleiche Länge gestutzt.

Vergleicht man die hier gezeigte Flechtanweisung mit anderen Quellen, so wird man feststellen das dort für das gleiche Band evtl. andere Flechtbewegungen angegeben werden.
Mit andere Worten, viele Wege führen nach Rom und Kreativität sollte nie in den Hintergrund gedrängt werden. Geht es jedoch um historische Bänder, so sollte man die alten Arbeitsfolgen und Farbverteilungen berücksichtigen.
 

Abbinden
Mitake-Band
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